Mai 2009: Paddetechnik mit Birgit Fischer

„ …, die Birgit Fischer?“ Am anderen Ende der Leitung macht sich Erstaunen breit, als wir unsere Pläne für das Pfingstwochenende 2009 erzählen. Wir wollen bei der erfolgreichsten Kanutin aller Zeiten unseren Paddelschlag verbessern. Birgit Fischer unterhält am Beetzsee in der Nähe von Brandenburg a.d.H. eine Kanu-Schule, keine 1 ½ Autostunden vom TKV entfernt.  Am Pfingstsonntag um 10.00 Uhr ist es so weit. Die zehn Kursteilnehmer werden zunächst in die Geheimnisse der vier Phasen des Grundschlags eingeführt: Eintauchphase, Hauptzugphase, Aushubphase und Umsetzphase. Anfangs bin ich irritiert, dass von vier Phasen die Rede ist. In meiner Paddelbibel, dem „Sea Kayak“ von Gordon Brown, wird nur von drei Phasen gesprochen: catch – pull – exit. Kein Wort von der Umsetzphase. Am Ende des Kurses weiß ich, warum Gordon Brown zwar ein sehr bekannter Seekajakfahrer ist, es aber nicht einmal zu einer läppischen Bronzemedaille gebracht hat.

Zunächst aber geht es auf den Paddelergometer. Der Paddelschlag jedes Teilnehmers wird hier von Birgit Fischer analysiert und seziert. Das Ganze geht sehr zügig und präzise. Alle werden angehalten, genau hinzusehen, wo Fehler liegen und was gut funktioniert.

Bei den Männern fehlt es durchweg an der Körperrotation. „Das liegt entweder am Bauch oder an der steifen Schultermuskulatur – insbesondere wenn die Männer zu viel im Kraftraum gewesen sind“.  Da ich noch nie in einem Kraftraum gewesen bin, schaue ich etwas betreten an mir herab. Nach den Trockenübungen geht es auf den See. Hier werden die einzelnen Phasen wieder und wieder durchgespielt. Nun erkenne ich den Sinn der Umsetzphase, die es bei mir bislang eigentlich nie gegeben hat. Nach der Aushubphase bin ich immer sofort zur Eintauchphase gesprungen, mit der Folge, dass ich nicht weit genug vorne mit dem Paddel ins Wasser gefasst habe. Das führt dazu, dass der Weg für die Hauptzugphase stark verkürzt wird. Damit habe ich Paddelschlag für Paddelschlag jeweils zehn bis fünfzehn Zentimeter Kraftweg verschenkt. So konzentriere ich mich darauf, die Druckhand weit nach vorne zu führen, um dann mit einem langen gestreckten Zugarm in einem Winkel von 60 – 70 Grad mit dem Paddel in das Wasser einzutauchen. Ich merke, wie schnell die „GrüneGräte“ mit dieser Technik die Rumpfgeschwindigkeit erreicht, spüre aber auch, dass ich an meiner Kondition arbeiten muss, wenn ich so über längere Zeit paddeln will. Immerhin meint Birgit Fischer, dass das mit der fehlenden Körperrotation auf dem Wasser nicht ganz so schlimm ist, wie auf dem Paddelergometer. Ich werde mich trotzdem mit meiner Problemzone befassen. Nach rund zwei Stunden auf dem Wasser bin ich fix und fertig und froh, dass das Training zu Ende geht. Um ein Fazit zuziehen: Ich hätte nicht gedacht, in wenigen Stunden so viel neue Anregungen für den eigenen Paddelstil zu erhalten. Dabei ist es Birgit Fischer gelungen, uns beizubringen, sich beim Paddeln selbst genau zu beobachten und den Schlag selbst immer wieder zu korrigieren.

(zuerst veröffentlicht 2009 auf der Seite des TKV Berlin)

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