11. Hiddenseemarathon 2012 des Stralsunder KC

Schon zum elften Mal hatte der Stralsunder Kanu Club im Rahmen der Kanuwoche zum Hiddenseemarathon am 23. Juni 2012 eingeladen. Konnten wir im letzten Jahr aufgrund der Windverhältnisse von Stralsund aus nur boddenseitig entlang der Insel bis zur Nordspitze und zurück paddeln, ließ die Windvorhersage hoffen, dass dieses Mal eine Umrundung möglich sein würde. Rund vier Beaufort aus Südwest am Vormittag, die dann gegen Mittag auf West drehen sollten, versprachen eine schnelle Passage der Seeseite und eine etwas mühevollere zweite Hälfte. So kam es dann auch.

Insgesamt gingen 41 Boote an den Start, davon zehn Zweier. Zum ersten Mal wurden die Surfskis als eigene Bootsgattung geführt. Da die meisten Surfskifahrer die 70 Kilometer in irgendwas zwischen sechs und sieben Stunden fahren, durften sie eine Stunde später starten, nicht um sechs, sondern erst um sieben Uhr morgens. Die Veranstalter wollten für eine bessere Übersicht durch die Begleitboote ein dichteres Teilnehmerfeld auf der Ostsee gewährleisten. Für den durchschnittlichen Tourenpaddler wie mich hatte dies zudem den Vorteil, dass man diese Hightechpaddelboote und ihr phänomenales Gleitverhalten in der Welle beobachten konnte, wenn sie uns eines nach dem anderen nach gut drei Stunden überholen würden. Und es gab eine weitere Neuerung: Während der Tour mussten sich die Teilnehmer an vier Meldebooten einfinden. Das letzte dieser Boote, nach gut 55 km etwa  in der Höhe des südlichen Teils von Ummanz postiert, musste nach spätestens neun Stunden erreicht sein. Ich rechnete schnell nach: Das entsprach einem Schnitt von 6,2 km/h, also deutlich weniger als die 7,0 km/h, die die ursprüngliche Zeitvorgabe von 10 Stunden für die gesamten 70 Kilometer bedeutet hätte.

Bei so viel Neuerungen wollte ich an meiner bewährten Taktik vom letzten Jahr festhalten und die ersten zwei Stunden zurückhaltend fahren. Dies gelang auch diesmal wiederum sehr gut, lag ich doch nach fünf Minuten an viertletzter Stelle. Nun konnte nicht mehr viel passieren. Der Südwestwind produzierte schöne Wellen und schob mich über den Strelasund. Ohne große Anstrengung zeigt das GPS alsbald einen Schnitt von 8,3 km/h. Der Abstand zum Hauptfeld betrug ca. 200 Meter. Ich betete mein Mantra: „Nein, du wirst nicht schneller!“ Nach gut zwei Stunden war Barhöft und damit der erste Meldepunkt erreicht. Nun ging es seeseitig gen Norden. Die Wellen wurden noch etwas höher, der Wind blies noch ein wenig kräftiger, es war herrlich. Der Zirpelspinner lag schön im Wasser, ich schloss langsam auf. Nach etwas mehr als vier Stunden war Meldepunkt zwei an der nordwestlichen Ecke von Hiddensee erreicht. Schnell die Startnummer ansagen und dann um die Steilküste herum. Langsam packte mich der Ehrgeiz, ich schielte nach der Zeit, obwohl ich ja eigentlich nur ankommen wollte. So verzichtete ich auch auf die Pause, die ich kurz nach dem „Toten Kerl“ eingeplant hatte. Das ist nicht ganz risikolos, da es auf dem Rückweg keine legalen Pausenplätze gibt oder sie so weit von der Streckenführung entfernt liegen, dass eine spätere Pause einen erheblichen Zeitverlust mit sich gebracht hätte. Aber ich fühlte mich fit und war im flow.

Es dauerte nicht lange – gerade hatte ich das Meldeboot Nr. 3 passiert -, da schien ich die Quittung für die ausgeschlagene Pause zu bekommen. Ekelige Seitenwellen klatschten gegen das Boot. Der Paddelspaß nahm ab. Ich hatte die Mühen der Paddelebenen erreicht und ackerte mich durch den Vitter Bodden. Entlang des Fahrwassers ging es Tonne um Tonne zurück nach Stralsund. Nun galt es, das letzte Meldeboot zu finden. Die drei ersten Boote, ein Zweimaster, eine Barkasse und das Schiff des Stralsunder Hafenkapitäns lagen von weitem gut sichtbar auf ihren Positionen. Beim vierten Boot war es anders. Einerseits fehlte es an einem markanten Liegeplatz und zum anderen ist es das kleinste von allen. So vertrieb ich mir eine ganze Zeit mit der Frage, „Wo ist Nummer vier?“, die Langeweile. Denn jeder Teilnehmer fährt sein Tempo und so ist zu einem kurzen Wortwechsel allenfalls beim Überholen Gelegenheit. Irgendwann hatte ich eine Nussschale ausgemacht, paddelte darauf zu und freute mich, dass sie liegen blieb und nicht schnöde an mir vorbeifuhr. Noch einmal die Startnummer gerufen. Dann standen die letzten Kilometer an. Es gibt zwei wichtige Zwischenziele: Das Fahrwasser Richtung Barhöft und den Parower Haken. Es zog sich, aber ich kam gut voran und hatte erstaunlich wenig Probleme mit Muskeln und Gelenken, etwas müde aber schmerzfrei. Als ich den Fernmeldeturm am Parower Haken passierte, wußte ich, dass ich gut in der Zeit lag. Kurz vor 15:00 Uhr komme ich nach 8:52 Stunden an.

Dem Stralsunder Kanuclub ist für die professionelle Ausrichtung des Hiddenseemarathons herzlich zu danken. Dazu haben die tolle Organisation, ein gutes Sicherheitskonzept und nicht zuletzt die gute Laune der Veranstalter beigetragen. Ein herzlicher Dank geht auch an die vielen Unterstützer von DLRG, DGzRS, dem THW, der Wasserwacht des DRK und anderen, die mit ihren Begleitbooten immer in der Nähe waren.

Übrigens: Der zwölfte Hiddenseemarathon findet am 29. Juni 2013 statt und dann soll das vierte Meldeboot auch eine gut sichtbare Flagge bekommen.

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