Preiset den hellen Tag – eine Eierfahrt

Die Idee stammte von Mario: Den Neujahrsmorgen nicht verkatert zwischen Rollmops und Alka- Seltzer und inmitten der Überreste der Silvesterparty verbringen, sondern frisch um sieben Uhr ins Boot gesetzt und auf zum „Weißen Schwan“. Diese Traditionsgaststätte (http://www.gasthaus-zum-weissen-schwan.de/historisches.html) in Hohenschöpping bei Berlin habe es zur schönen Tradition werden lassen, den ersten Wassersportler im Neuen Jahr mit einem herzlichen Neujahrsgruß und frischen Eierspeisen zu begrüßen. Deshalb spreche man auch von der „Eierfahrt“. Die besondere Ehre, die dem Sieger zu Teil würde: Ein ganzes Jahr lang würden die Namen von Sportler und Boot auf einer Schiefertafel verewigt. Daran käme die folgenden 365 Tage kein Gast vorbei, hänge sie doch direkt über der Tür zu den Toiletten. Man konnte sagen, was man wollte: Marios Idee hatte Potential. Es gab keinen vernünftigen Grund, mit 999.997 anderen Menschen „Deutschlands größte“ (Rundfunk Berlin Brandenburg) „Silvesterparty“ (Deutschlandfunk) „in Berlin“ (Bild Berlin) „am Brandenburger Tor“ (ZDF) „zu feiern“ (Angela Merkel). Warum den „alten Silvester“ (St. Marcus) nicht einfach mal einen guten Mann sein lassen, schön um zehn ins Bett und mit den Hühnern aufgestanden. Gesagt getan: Um halb acht machten Catharina, Mario und ich uns auf zur 17 Kilometer langen Fahrt zum „Weißen Schwan“.

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Noch war es dunkel, doch meine Mitpaddler hatten mit praktischen Rundumleuchten auf den neonfarbenen Pudelmützen Vorsorge dafür getroffen, dass wir auf dem Tegeler See nicht mit Moby Dick oder der Havelqueen zusammenstießen und damit möglicherweise eine kurz vor dem Abschluss stehende „Silvesterparty“ (Deutschlandfunk) „in Tegel“ (Berliner Morgenpost) „auf einem Ausflugsdampfer“ (Freddy Quinn) gefährdet hätten. Doch es blieb ruhig und die Fahrt gestaltete sich zunächst ohne größere Zwischenfälle. Dann kam die Scharfenberger Enge. Drei Schwäne zogen ganz dicht an unseren Booten vorbei. Fast beiläufig, aber nicht ohne einen gewissen Hintersinn Mario und mich in die Irre zu leiten, bemerkte Catharina, jetzt seien wir ja wohl da. Doch wir hatten ausgeschlafen, sahen uns nur kurz an und wussten: Nein, dies ist nicht die Traditionsgaststätte in Hohenschöpping bei Berlin, dies sind drei ganz normale weiße Havelschwäne, die aufgrund der „Feierlichkeiten“ (Joachim Gauck) zu Silvester zwar etwas übermütig dreiblickten, aber sicher weder Eierspeisen kredenzen noch mit ihren Gänsekielen Bootnamen notieren konnten. Wir fuhren weiter.

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Dann wurde es kitschig. „Im Osten“ (Wolf Biermann) ging die „Sonne“ (Nikolaus Kopernikus) auf und tauchte Scharfenberger Enge und Oberhavel in pinkfarbenes Neonlicht. Da gerade keine Havelschwäne in der Nähe waren bemerkte Catharina, wir führen in die falsche Richtung. Ich hob zu „Preiset IHM den hellen Tag“ (Johann S. Wader) an und konnte so eine Umkehr gerade noch abwenden. Es ging weiter die Oberhavel hinauf. Paddelschlag reihte sich an Paddelschlag und während die Zeit dahin floss, kam der Weiße Schwan näher. Diese Traditionsgaststätte in Hohenschöpping bei Berlin öffnet um zehn und wir wussten aufgrund der „Aussagen“ (Eduard Zimmermann) eines gewöhnlich gut informierten Vereinskameraden, dass der Vorjahressieger um zehn Uhr drei den Gastraum betreten hatte. So war es jedenfalls auf der Schiefertafel“ vermerkt. Mit unserem Tempo würden wir keine Schwierigkeiten haben, vor dieser Zeit am Ziel zu sein. Nur: War der Vorjahressieger vielleicht auch schon da. Hatte er auf verschlungenen Wegen oder gar von Oranienburg kommend längst am warmen Ofen der Gastwirtschaft Platz genommen und verspeiste er bereits eine gehörige Portion Spiegeleier?

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Diese Frage stellen bedeutete, der Sache insgesamt auf den Grund zu gehen: Warum heißt die Eierfahrt „Eierfahrt“? Mir war klar, dass das ganze eigentlich nicht mit Ostern zusammenhängen konnte. Schon ein Blick auf Vegetation des Havelufers zeigte: Ostern war noch nicht. Ostern ist später im Jahr, jedenfalls nach „Berlinale“ (Wim Wenders) und „Karneval“ (Willy Millowitsch), wenn es die Natur schon „grüner“ (Claudia Roth) ist. Natürlich wusste Mario die Antwort, auch wenn er seine Rundumleuchte schon ausgeschaltet hatte. Früher gab es noch Gans für den Sieger – oder jedenfalls Ente. Dann aber wurde alles teurer und weil die Traditionsgaststätte „nicht genug verdiente“ (Peer Steinbrück) wurde auf Rührei umgestellt.

 

Wir mussten bald da sein. Catharina wusste zu berichten, dass die Traditionsgaststätte hinter einer der nächsten „Brücken“ (Karat) liegen müsste und siehe da, da lag sie schon, wenn auch nicht allein. Das Siegerboot dümpelte am Steg. Um neun Uhr neunundfünfzig stiegen wir aus den Booten. Es ereignete sich noch einen kleiner Zwischenfall. Das ist eine andere Geschichte (http://groenlandpaddel.wordpress.com/2013/01/01/auf-ein-neues-paddeln-bis-der-arzt-kommt/), wobei unser Dank dem hilfsbereiten Siegerteam und dem Team des Weißen Schwan gilt. Drinnen gab es „leckere Soljanka“ (Mitropa) und „Waldpilzsüppchen“ (Alfred Biolek). Rührei war „aus“ (namenlose Servicekraft).

Also: Trotz des Zwischenfalls, der zum Glück glimpflich ausgegangen ist, ein schöner Start ins neue Paddeljahr!

Allen Leserinnen und Lesern des Zirpelspinners ein gutes, gesundes, unfallfreies (!) und erfolgreiches Jahr 2013!

2 Gedanken zu „Preiset den hellen Tag – eine Eierfahrt

  1. Ahoi! … da schlägt’s doch tatsächlich noch 13 (Maya-Prophezeihung), nämlich 2013 (Gregorianischer Kalender) und Gero (EPP 4-Küste) mausert sich zum dichtenden Paddler (Goethe) bzw. bloß zu einem „Schreiberling“ (Heinz oder Ludwig Ehrhard). Ja, Gero (Silkes Partner),, Du hast den richtigen Moment abgepasst. Wenn andere noch ihren Rausch (Drogenreport 2012) ausschlafen, paddelst Du schon wieder (DKV-Fahrtenbuch) mit deinem „grünen“ Kajak (Gräte) herum, und wenn andere noch nicht wissen, was sie anfangen sollen (Katzenjammer oder Katerstimmung), bietest Du ihnen Lektüre vom allerfeinsten (Financial Times Deutschland) an. Damit hast Du es verdient (Ehrenamt), als jener gelobt (Psalm 14) zu werden, der im neuen Jahr (2013 n. Chr.) als erster (Primus) einen kanuspezifischen (DKV) Beitrag (Prosa) gepostet hat. Gruß aus Hamburg: Udo (Speaker)

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