Time and tide wait for no man

Der nachfolgende Artikel berichtet über eine Tour in Southeast Alaska im Sommer 2009 und erschien bereits vor einiger Zeit im SEEKAJAK.

Also Alaska

Ich liege auf dem Sofa, als Silke an einem verregneten Sonntagnachmittag vom Rollentraining aus St. Andreasberg nach Hause kommt und mir erzählt, Tony Ford habe uns angeboten, mit nach Alaska zu kommen. Meine Begeisterung hält sich in Grenzen. Drei Wochen mit dem Seekajak durch Southeast Alaska. Das geht weit über unsere bisherigen Nord- und Ostseetouren hinaus. Ich erinnere mich an Tonys Erzählungen über Bären, das Leben in der Wildnis und denke an die rd. 7500 Flugkilometer, die zwischen Berlin und Alaska liegen. Will ich das wirklich? Ich bin ein Großstadtmensch, der die Errungenschaften der Zivilisation sehr wohl schätzt und die wohldosierten Urlaubstouren mit dem Seekajak etwa in den Schärengärten Schwedens oder rund um Rügen immer auch gerne mit frischen Brötchen, einem Blick in die Tageszeitung sowie einer heißen Dusche und einem Bier nach getaner Arbeit verbringt. Das alles wird es mit Sicherheit nicht geben. Stattdessen unberechenbares Wetter, Grizzlys, die ausgehungert hinter Bäumen auf ausländische Touristen warten und weit und breit keine menschliche Siedlung. 21 Tage im, aus und mit dem Boot leben. Andererseits: Wird sich jemals wieder eine solche Gelegenheit ergeben?  Zwei Wochen trage ich meine Bedenken mit mir herum. Dann sage ich zu. Also Alaska. Wir werden zu viert sein: Angelika und Tony Ford, Silke und ich.

Petersburg, AK

Hinter uns liegen 24 Stunden Flug mit Zwischenstopps in Paris, Seattle und Juneau, der Hauptstadt Alaskas. Bob Carter, Pastor, selbst begeisterter Seekajakfahrer und Tonys Freund in Petersburg, holt uns vom Flughafen ab und bringt uns in Hostel, in dem wir die zwei Tage bis zum Start der Tour wohnen werden. Wir machen einen kurzen Gang durch den 3300 Seelen Ort. Anders als viele andere Orte in Alaska ist Petersburg nicht aus einem Zelt- und Barackendorf aus den wilden Boomjahren des 19. Jahrhunderts hervorgegangen, sondern wurde 1897 von dem Norweger Peter Buschmann als „Peter’s Burg“ gegründet, der hier eine Lachskonservenfabrik und eine Sägemühle betrieb. Heute hat hier eine der größten Fischfangflotten Alaskas ihren Heimathafen. Petersburg ist kein romantisches Fischerdorf. Der Tourismus spielt eine untergeordnete Rolle, zumal der Ort abseits der Linien der großen Kreuzfahrtschiffe liegt. Harte Arbeit und wenig Zeit für Nebensächliches machen seinen Charme aus. Rough and tough? Vielleicht – aber die Menschen sind hilfsbereit und freundlich.

 

 

Tag 1

Southeast Alaska, auch Alaska Panhandle genannt, ist ein Küstenstreifen am Pazifik, der im Osten an British Columbia grenzt. Die südliche Grenze bildet der Dixon Entrance, eine Meerenge zwischen der zum Panhandle gehörenden Prince of Wales Island und Queen Charlotte Island in Kanada. Der Panhandle hat eine Ausdehnung von bis zu 840 km in der Länge und 130 km in der Breite, dessen Charakter durch große und unzählige kleine Inseln bestimmt wird. Das Paddeln im Alexander Archipel, so der geografisch korrekte Ausdruck, wird durch die Tide bestimmt. Sie ist auch der Grund dafür, dass wir unsere Tour nicht direkt in Petersburg, sondern rund 20 km südlich starten. Mitkof Island, auf der Petersburg liegt, und Kupreanof Island werden durch die  37 km langen, teilweise aber nur wenige hundert Meter breiten Wrangell Narrows getrennt. Etwa in der Mitte der Narrows liegt eine Wasserscheide, die die Strömungsverhältnisse bestimmt. Das auflaufende Wasser fließt von Norden und Süden in die Narrows ein, das ablaufende Wasser entsprechend heraus. Erreicht man die Wasserscheide zum Tidenkipp, ist es also möglich, die Meerenge mit Unterstützung der Strömung in wenigen Stunden zu befahren. Heute hätte dies einen Start um 8.00 Uhr bedeutet, was aus organisatorischen Gründen indiskutabel ist. Bob bringt uns zu Papke’s Landing in unmittelbarer Nähe der Wasserscheide. Hier können wir in aller Ruhe unsere Boote packen. Dies geschieht unter großer Anteilnahme einiger Hobbyfischer, die mit erheblicher Ausbeute an Lachs an Land gehen. Einer der Fischer zeigt uns seinen Fang: Vier knapp ein Meter lange Fische liegen in einer Kühlbox. Ich schätze den Ladenpreis in Deutschland auf mindestens $ 400, eine Summe, die bei ihm nur ungläubiges Kopfschütteln auslöst. Lachs gehört im Sommer zu Southeast Alaska, wie Grünkohl im Winter zu Ostfriesland. Beeindruckt sind wir derweil von den Weißkopfseeadlern. Beifang, offensichtlich zum Anfüttern auf der Slipanlage belassen, ist ihr Ziel. Immer wieder schießen sie im Sturzflug zu Boden, um dann im Flug die kleinen Fische von der Slipanlage zu greifen. Das gelingt nicht immer, scheint aber effektiver zu sein, als den Fisch selbst aus den Narrows zu fangen.

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Der Bestand der Weißkopfseeadler in Southeast Alaska wird mittlerweile wieder auf rd. 10.000 erwachsene Tiere geschätzt. Anfang der 50er Jahre stand der Weißkopfseeadler kurz vor der Ausrottung. Da er als Fressfeind angesehen wurde, hatte die Territorialregierung Alaskas 1917 ein Abschussprogramm verabschiedet, dass für jeden getöteten Vogel eine Prämie von 50 US-cent versprach. Bis 1949 wurde die Prämie immer wieder erhöht, zum Schluss auf $2. 1952 wurde das Programm eingestellt und eine Trendwende eingeleitet. Heute ist bereits der Besitz von Federn, die die Tiere auf natürlichem Weg verloren haben unter Strafe gestellt.

 

 

Die Tour beginnt. Ich blicke noch einmal zurück. Zehn Weißkopfseeadler balgen sich um die toten Fische. Wir folgen den Wrangell Narrows in südlicher Richtung. Obwohl wir ablaufendes Wasser haben, habe ich den Eindruck, das wir die meiste Zeit gegen die Strömung anpaddeln. Sie ist nicht stark, aber sie macht sich bemerkbar. Nachdem wir an einigen Fischerbooten vorbeigefahren sind, sehen wir von nun an kaum noch Menschen. Von unberührter Wildnis kann aber noch nicht die Rede sein. Alle 200 bis 300 Meter findet sich eine Lodge, gediegene Unterkünfte für Amerikaner aus den „lower 48 states“, die hierher zum Fischen kommen. Wir verlassen den Hauptlauf der Narrows bei Burnt Island. An Keen Island vorbei fahren wir in den Becher Pass, um dann an der Nordwestspitze von Woewodski Island südlich in Richtung Sumner Strait zu paddeln. Bald erreichen wir eine Bucht, die jetzt vier Stunden nach Hochwasser, weitgehend trocken gefallen ist. Wir bekommen zum ersten Mal eine Vorstellung vom Tidenhub, der sechs Meter beträgt. Die Felsen, über die wir klettern, sind mit Seetang bedeckt.  Ich stelle mir vor, dass in acht Stunden die Wasserlinie einen Meter über meinem Kopf verlaufen wird. Wir setzen unsere Tour in Richtung Sumner Strait fort. Rund 500 Meter vor uns auf einem Felsen sehen wir die ersten Seehunde – unzählige weitere werden in den nächsten Wochen folgen. Wir halten gebührenden Abstand, merken aber, dass einige aus der Gruppe von hinten auf unsere Boote zu schwimmen, auch sie auf Abstand bedacht und sofort untertauchend, wenn wir einen Blick über das Heck werfen. Am Nachmittag beginnt die tägliche Suche nach einem Übernachtungsplatz. Nachdem wir die erste Gelegenheit ausschlagen, zu wenig Platz für zwei Zelte und Bärenkot, der noch nicht sehr alt ist, fahren wir weiter. Die Suche zieht sich noch eine gute Stunde hin. Auch das wird sich in den nächsten Tagen wiederholen. Erst in Kah Sheets Bay  finden wir auf einer kleinen Insel (N 56°34.862′; W 133°04.426′) eine schöne Stelle für die Nacht.

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Tag 2

Am Abend des 2. Tages im Schlafsack: Was sich wie Regentropfen anhört, sind unzählige kleine Sandkrebse, die im Vorzelt  immer wieder gegen die Außenhaut springen. Ich wundere mich etwas und kann das Verhalten der Urzeittierchen nicht einordnen. Während es „tropft“, lasse ich den Tag an mir vorüberziehen. Nachdem wir die erste Nacht in der Wildnis ohne Bärenattacke gut überstanden haben, sind wir früh aufgestanden und haben in der Morgensonne unsere feuchten Sachen getrocknet. Gegen 9.30 Uhr sind wir auf dem Wasser und verlassen Kah Sheets Bay in Richtung Sumner Strait. Das auflaufende Wasser macht sich als Gegenströmung bemerkbar. Bei Mitchell Point legen wir eine ausgedehnte Mittagspause an. Die Gegend verändert sich. Sumner Strait, neben Frederick Sound und Chatham Strait einer der großen Sunde, hat hier eine Breite von ca. 15 Kilometern. So zeichnet sich die gegenüberliegende Küste von Prince Wales Island nur noch undeutlich ab. Mehr und mehr wird mir die Weite der Landschaft bewusst.  Nach Mittagspause und Tidenkipp nimmt unsere Reisegeschwindigkeit von ca. 5 km/h nicht wesentlich zu. Neben der Strömung bläst uns jetzt ein Westwind mit 4 bft  von vorne ins Gesicht und die Wellen tun ihr übriges. Den Versuch, Totem Bay heute zu erreichen, geben wir deshalb bald auf. Innerlich bin ich ein bisschen enttäuscht. Wenn ich ehrlich bin, hätte ich gerne längere Tagesetappen zurücklegt, aber die Natur schreibt das Geschehen vor. Es wird noch etwas dauern, bis ich das endgültig akzeptieren werde. Wir fahren so in die hinter Moss Island gelegene Bucht ein, wo wir an der Westseite einen Übernachtungsplatz mit Wasserstelle finden (N 56°28.738′ W 133°18.676′).

Mit den Tropfgeräuschen der springenden Urzeitkrebse im Ohr schlafe ich bald ein, um eine Stunde später von Silke geweckt zu werden. Ich schaue aus dem Zelt und sehe, dass das Wasser nur noch 20 Zentimeter entfernt ist. Schnell wecken wir Tony und Angelika und bauen die Zelte an höherer Stelle auf, was nicht ganz einfach ist, da sich unzugänglicher, subarktischer Regenwald an den Kiesstrand anschließt. Jetzt wird mir das Verhalten der Krebstierchen klar: Sie bringen sich vor der in dieser Nacht sehr hohen Flut in Sicherheit. Dabei wurde ihnen unser Zelt zur Falle.

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When tide is out, table is set. Die Tide ist bestimmend in Southeast Alaskas. Sie formt Feuchtwiesen, Salzmarschen und Moore. Die Amerikaner sprechen davon, dass sie vier Tiden am Tage haben: 2 „high tides“ und 2 „low tides“. Neben dem Einfluss der Gravitation von Sonne und Mond (Spring- und Nippzeiten) wird die Tide im Alexander Archipel insbesondere durch die Küstenlinien, den Meeresboden und vom Wind bestimmt. Die Tidenhöhe ist deshalb immer unterschiedlich. So betrug das (vorhergesagte) Morgenhochwasser bei Summit Island am 20. Juni 2009 10,1 Fuß (rd. 3,10 Meter), das Abendhochwasser indes 13,5 Fuß (rd. 4,10 Meter). Oftmals ist die Differenz noch viel größer. Der Tidenhub beträgt bis zu 20 Fuß (rd. 6 Meter). Der zeitliche Abstand zwischen Hoch- und Niedrigwasser beträgt ca. 6 Stunden – mal mehr, mal weniger. Der Tidenkalender entspricht im Aufbau dem des BSH, gibt aber immer auch die konkrete Höhe der Tide an. Es gibt ihn überall  kostenlos vor Ort. Wie hoch das Wasser in den Nachtstunden am jeweiligen Übernachtungsplatz tatsächlich steigt, kann man aufgrund der Linie des durch das vorangegangene Hochwasser angespülten Seetangs ermitteln. Bei Springtide kann es aber auch an der höchsten Stelle eines Übernachtungsplatzes nass werden.

Tag 3

Nach dem nächtlichen Umzug brechen wir am nächsten Morgen auf und verlassen bei  Sonnenschein und Windstille die Bucht bei Moss Island und fahren wieder auf die Sumner Strait heraus. Sofort packt uns die Gegenströmung und trotz ambitioniertem Paddeln kommen wir wieder nicht über eine Geschwindigkeit von 4 km/h hinaus. Ich fasse mich in Geduld und erkenne, dass ich mich auf die Landschaft konzentrieren und zur Ruhe kommen muss. Bald bietet sich dafür die Gelegenheit, denn Angelika und Tony haben eine Schule von mindestens 25 Seeottern, meist Weibchen mit ihren Jungtieren, ausgemacht. Natürlich können wir aus einer Entfernung von 300 oder mehr Metern trotz der Ferngläser keine Details erkennen. Aber ich fange an Tony zu verstehen, wenn er sagt, es sei für ihn ein Glückserlebnis, so viele dieser vor 100 Jahren fast ausgestorbenen Tiere zu sehen. In der Schule herrscht unglaublicher Krach, es wird gezetert und getratscht, was das Zeug hält.  Die Possierlichkeit der Tiere sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie Jäger sind und ihnen im Ökosystem Alaskas eine Schlüsselrolle zukommt. Sie ernähren  sich bevorzugt von Seeigeln und schützen so den Bestand der Kelpwälder, der ihnen, aber auch Robben, vielen Fischen und Krustentieren als Lebensraum dient.

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Alaska, Europäer und die Seeotter. Ende Mai 1741 setzten von Sibirien aus zwei Schiffe die Segel Richtung Alaska. Eines der beiden Schiffe, die St. Peter, wird von Vitus Bering befehligt. Seit seinem 23. Lebensjahr stand der gebürtige Däne im Dienste des Zaren. Schon 1728 hatte er die nach ihm benannte Meerenge zwischen Asien und Amerika durchquert. Als Beweis einer fehlenden Landverbindung reichte dies aber nicht aus. Nunmehr sollte  im Rahmen der seit 1733 groß angelegten zweiten Kamtschatka-Expedition endgültig geklärt werden, ob es einen Landweg nach Amerika gibt. Im Juni 1741 sichtet die Mannschaft der St. Peter Land: Alaska. Am 20. Juli 1741 ankert das Schiff vor Kayak Island, wo der deutsche Naturforscher Georg Wilhelm Steller für zehn Stunden an Land geht. Obwohl es Steller gelingt, Bering davon zu überzeugen, dass sie Amerika erreicht haben, drängt dieser zur Rückkehr nach Russland. Zwei Wochen segelt man vor der Küste Alaskas. An Bord treten die ersten Fälle von Skorbut auf, und Anfang August stirbt das erste Besatzungsmitglied. Bering, auch der Kolumbus des Zaren genannt, lässt auf einer Insel die Wasservorräte erneuern und den Mann beisetzen. Hier kommt es zu der ersten Begegnung mit den Ureinwohnern der Aleuten, den Unangan. Auf der Rückreise strandet die St. Peter Anfang November 1741 auf einer Insel vor der Küste Kamtschatkas. Auf dieser heute nach ihm benannten Insel stirbt Bering am 8. Dezember 1741. Steller gelingt im Sommer des nächsten Jahres die Rückkehr nach Kamtschatka. Die St. Paul, das zweite Expeditionsschiff, wurde bereits im Sommer 1741 nach einem Sturm von der St. Peter getrennt. Ihr Kommandant  – Alexei Tschirikow – segelt nach Nordosten und erreicht Mitte Juli 1741 die Küste Alaskas. In der Nähe von Sitka entsendet Tschirikow nacheinander zwei Beiboote, um die Wasservorräte aufzufrischen. Beide Boote kehren samt 15 Mann nicht zurück. Entkräftet und mit hohen Verlusten gelingt Tschirikow die Rückkehr nach Kamtschatka im Herbst 1741. Die Reisen von Bering und Tschirikow legen die Grundlage für den russischen Pelzhandel in „Russisch-Amerika“. 1799 wird in Sitka das erste russische Handelskontor für Seeotterfelle gegründet, die  aufgrund ihrer Feinheit und Dichte astronomische Preise erzielen. Infolge der Kartografie der Pazifikküste durch James Cook und George Vancouver erreicht Ende des 18. Jahrhunderts die Kunde von den exorbitanten Gewinnen Europa und das restliche Amerika und so kommen bald auch englische und amerikanische Pelzjäger und -händler nach Alaska. 1903 erzielt ein Seeotterfell guter Qualität in London $ 1.100. Überall entstehen Handelsposten. Der Seeotter ist Anfang des 20. Jahrhunderts fast ausgerottet. 1911 verpflichten sich  Russland, die USA, Japan und Großbritannien vertraglich zum Schutz des Seeotters. Der Bestand weltweit ist seitdem wieder auf knapp 110.000 Tiere angewachsen. Man schätzt, dass seit der Entdeckung Alaskas durch Bering und Tschirikow bis zum Inkrafttreten dieses Schutzabkommens rd. 800.000 Tiere getötet worden sind.

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Die Mittagspause verbringen wir unter den Augen eines Weißkopfseeadlers, der uns von einem hohen Baum unablässig beobachtet. In der Tradition von James Cook, der Allem, was ihm vor den Bug oder unter den Kiel kam, einen mehr oder minder treffenden Namen gab, taufe ich den Platz auf Eagle’s Eye. Nach der Pause setzt der Tidenkipp ein und nun ist die Strömung mit uns. Um 15.00 Uhr finden wir eine  Übernachtungsstelle (N 56°26.217′ W 133°32.974′). Unter Tonys anhaltendem Kopfschütteln  baden Silke und ich im Pazifik. Das Meer ist erbärmlich kalt (8° C).

In puncto Flüssigkeitsaufnahme ist meine Laune seit gestern gestiegen. Das Leitungswasser aus Petersburg hat stündlich an Qualität verloren und sich in eine widerliche, fast ungenießbare Chlorbrühe verwandelt. Dagegen schmeckt das gefundene Quellwasser hervorragend. Wir filtern über Nacht an die zehn Liter und können so unseren Flüssigkeitsbedarf ohne Schwierigkeiten decken.

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Tag 4

Kurz nachdem wir aufgebrochen sind, entdecken wir am Strand einen Schwarzbären. In den letzten Tagen haben wir uns immer wieder gefragt, ob „das Schwarze da vorne“ ein Bär ist. Es war immer ein Stein oder ein Baumstamm und ich muss zugeben, dass ich bald schon nicht mehr genau hinsehe. Wir paddeln nur noch ganz vorsichtig, lassen uns auf das Ufer zutreiben. Die Entfernung beträgt vielleicht 400 Meter, und wir sind still. Vor zwei Stunden war low tide und nun sucht der Bär den Strand nach Muscheln ab. Mit seinen Pfoten kratzt er im Boden, dreht einzelne Steine um. Natürlich hat er uns wahrgenommen. Er schaut kurz zu uns herüber, ist aber nicht an uns interessiert. Wir beobachten ihn, bis er irgendwann im Wald verschwindet und fahren weiter.

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Bear Facts: Der Lachs und der Bär. Diese beiden Tiere bestimmen das Leben der Menschen in Alaska. Der Lachs, das haben wir in Petersburg gesehen, stellt die ökonomische Basis des Lebens im Panhandle dar. Der Bär dagegen ist der unangefochtene König der Wildnis. Er ist hier das einzige Tier, das dem Menschen Respekt abnötigt. Eine unerwartete Begegnung kann tödlich sein, auch wenn wir nicht in sein Beuteschema fallen. Braun- und Schwarzbären sind anders als Eisbären nicht einmal klassische Jäger. Vor Jahrmillionen haben sich die Entwicklungslinien von Bären und Hunden, die einen gemeinsamen Vorfahren haben, getrennt. Bären besitzen die Schneide- und Eckzähne von Hunden; ihre abgeflachten Backenzähne gleichen indes denen von Pflanzenfressern. Schwarz- und Braunbären fressen zwar alles und über Monate hinweg  ernähren sie sich überwiegend von vegetarischer Kost. Wenn dann jedoch im Juli der Lachs zum Laichen nach Alaska zurückkehrt, bestimmt dies das Leben der Braunbären, die sich dann für den Winterschlaf fett fressen. Dort wo sich Flussmündungen in der Nähe von menschlichen Siedlungen befinden, lungern die Petze schon Wochen vor der Ankunft der Lachse herum, plündern die Mülltonnen und machen die Gegend unsicher. „A fed bear is an dead bear!“  Bären werden dann zu „Problembären“, wenn sie die Anwesenheit von Menschen mit Nahrung in Verbindung bringen. Diese Bären werden von den Rangern gnadenlos gejagt und erschossen. Ansonsten sind Übergriffe von Bären auf Menschen fast immer  auf falsches Verhalten zurückzuführen. „Bears don’t like surprises!“  Deshalb wird der abendliche Übernachtungsplatz von Tony zunächst nach frischen Bärenspuren abgesucht.  Bärenkot finden wir allenthalben. Stammt die Losung aus dem letzten Jahr, hat Tony keine Bedenken; frische Losung bewegt uns zur Weiterfahrt. Ansonsten  gewöhnen wir uns schnell an die Regeln: Zelt und Kochplatz liegen möglichst weit auseinander, kein Lebensmittel und keine Getränke im Zelt, denn dies kann den Bären anlocken. Alles Essbare wird sofort wieder im Boot verstaut. Nichts darf liegen bleiben. Und an Land sind wir laut. Je eher der Bär menschliche Stimmen hört, desto schneller zieht er sich in den Wald zurück.

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Dann erreichen wir Point Barrie. Hier treffen Keku Strait und Sumner Strait zusammen. Von hier aus sind es überdies rd. 26 Kilometer bis Summit Island. Ähnlich wie bei Papke’s Landing in den Wrangell Narrows befindet sich auch dort eine Wasserscheide, wo sich beim Tidenkipp die Strömungsrichtung ändert. Hochwasser ist heute gegen 14.00 Uhr. Dann müssen wir Summit Island spätestens erreicht haben. Bald erkennen wir, dass dies nicht möglich sein wird und so lassen wir den weiteren Tag ruhig angehen. Wir fahren die Keku Strait noch einige Kilometer hoch. Bald setzt Regen ein. Gegen Mittag finden wir einen Platz mit einer Wasserstelle (N 56°31.582′ W 133°40.413′). Nachdem wir die Zelte aufgebaut haben, schlage ich nichtsahnend einen „Waldspaziergang“ vor. Tony nickt und bald straucheln vier vermummte Gestalten durch Alaskas Urwald. Vielleicht schaffen wir es, uns 200 Meter vom Strand zu entfernen. So etwas habe ich noch nie gesehen. Dieser Wald ist in vielen hundert Jahren gewachsen. Baumriesen ragen dicht an dicht bis zu  60 Meter in den Himmel. Ihre Stämme sind an der Basis häufig hohl, dienen Tieren als Behausung. Wege gibt es nicht – nur Wildwechsel. Wir klettern über tote Sitka-Fichten und  Hemlock-Tannen, mit dicken Stämmen, die langsam verrotten. Alles ist dunkel. Ich verstehe jetzt, warum die Menschen in Europa früher Wälder unheimlich fanden. Was wir hier sehen, hat nichts zu tun mit unseren forstwirtschaftlichen Nutzflächen. Dieser Wald hat den Menschen über Jahrtausende in seine Schranken verwiesen. Mit dem Meer zusammen bestimmt er die Landschaft von Southeast Alaska und verweist uns auf den Küstenstreifen. Und doch machen wir hier, mitten in der Wildnis, ohne eine Straßenverbindung, eine fast skurrile Entdeckung: Überwuchert von Moos und Flechten, eingeklemmt von Ästen finden wir ein altes Auto, einen Jeep, wohl aus den vierziger Jahren, wenige Schritte davon entfernt Kochtöpfe von Schüssen durchlöchert. Wie diese „zivilisatorischen“ Überreste hierhin gekommen sind, werden wir nicht erfahren.

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Tag 5

Heute wollen wir Summit Island erreichen. Hochwasser ist ist um 14.23 Uhr, das sind noch gut vier Stunden, also eigentlich genug Zeit für die rd. 17 Kilometer lange Strecke. Wir lassen Skiff Island hinter uns. Dann dauert es nicht lange und wir haben uns verfahren. Nördlich von Skiff Island wimmelt es nur so von kleinen Inseln, Inselchen und Felsen, die hier einen Miniarchipel bilden, in den wir nichts ahnend hinein gepaddelt sind. Nun stecken wir in einem Labyrinth fest. Die Landschaft ist wunderschön, aber die Zeit rennt uns davon. Wir finden keine Durchfahrt und müssen  zwei Kilometer gegen die Strömung zurückfahren. Als wir endlich wieder auf Kurs sind, haben wir nur noch knapp 2 ½ Stunden Zeit. Jetzt wird es eng. Wir legen noch eine kurze Pause ein, dann geht es unter den Augen neugieriger Seehunde weiter. Ich rechne hoch: Wenn wir uns anstrengen, können wir es gerade noch zum Tidenkipp bis Summit Island schaffen. Zum ersten Mal auf dieser Fahrt schalte ich mein GPS ein und verfolge, wie wir an nördlicher Breite gewinnen. Die Strömung unterstützt uns prächtig. Wir paddeln jetzt zwischen 8 und 9 km/h, erreichen teilweise sogar Spitzen von 11 km/h. Plötzlich taucht ein Tier vor mir auf. Das ist kein Seehund. Der Kopf ist größer. Einen kurzen Moment schauen wir uns interessiert an. Die folgende Abtauchbewegung, eine Art Delphinsprung mit dem Kopf voran, deutet auf einen Seelöwen hin. Das hatte Tony vor kurzem erklärt. Meine drei Mitreisenden sind vielleicht 50 Meter von mir entfernt. Da sie mir alle in der Wahrnehmung auftauchender Tiere weit überlegen sind, diesmal aber keinen Ton von sich geben, der Himmel grau und auch die Sicht nicht allzu gut ist, werde ich mich wohl getäuscht haben. Ich sage also nichts und paddele weiter. Eine halbe Stunde später – wir befinden uns gerade an einer sehr engen Stelle der Keku Strait und ich bin in eine gewisse Paddeltrance verfallen – vernehme ich einen bis dahin so nicht gehörten Freudenschrei von Angelika. Das deutet weder auf einen Seeotter noch auf einen Seehund oder Bären hin. Hier scheint Größeres entdeckt worden zu sein. Und in der Tat. Einige hundert Meter vor uns schießt der Blas eines Wals in die Luft. Gebannt halten wir augenblicklich an. Bald sehen wir, dass es sich um einen, nein sogar zwei Orcas handelt. Ein weibliches und ein männliches Tier. Mit Getöse schwimmen die beiden in unsere Richtung . Fontänen wechseln sich mit Wassergeplantsche ab. Längst habe ich den Fotoapparat in der Hand und knipse einfach drauf los. Die Fluke geht hoch, dann wieder die Finne, noch einmal die Fluke. Wir sind fasziniert und sprachlos. Die Orcas kommen näher, halten aber nicht auf uns zu, sondern schwimmen keine 50 Meter entfernt schnaufend an uns vorbei. Dann verschwinden sie Richtung Sumner Strait. Das war er also, der Killerwal, der eigentlich ein Delphin ist und den wir unbedingt sehen wollten.

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Fast auf die Minute genau zum Tidenkipp erreichen wir Summit Island. Trotz der mitlaufenden Strömung haben wir uns ziemlich verausgabt und beschließen, einen Übernachtungsplatz zu suchen. Das gestaltet sich  schwieriger als erwartet. Steile Felswände bilden hier die Küstenlinie von Kupreanoff Island und auch die kleinen Inseln in der Keku Strait weisen kaum einmal einen Strand auf. Und wenn doch, liegt er nicht hoch genug: Das für die kommende Nacht vorhergesagte Hochwasser wird mit 17.5 Fuß das höchste während dieser   Springzeitperiode sein. Also weitersuchen. Und plötzlich eine weitere Attraktion des Tages. Unmittelbar vor uns taucht ein ausgewachsener Seelöwenbulle auf. Diesmal sehen es auch meine Mitreisenden, die dicht nebeneinander paddeln, während ich rd. 20 Meter von ihnen entfernt bin. Der Bulle schaut kurz auf die Boote der drei, dann fällt sein Blick auf mich. Ich habe den Fotoapparat schon in der Hand und nicke ihm mit den Worten „Hey John!“ freundlich zu, während ich auf den Auslöser drücke.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAVielleicht hätte ich den Blitz doch ausschalten sollen. Denn nun entwickelt John Starallüren, taucht kurz ab, um mir zwei bis drei Sekunden später seine recht eindrucksvollen Eckzähne zu zeigen. Um ihn in seinem Ego zu bestätigen, halte ich noch einmal drauf. Mit so viel Aufmerksamkeit hat er dann doch wohl nicht gerechnet. Wie es sich für einen Lokalmatador gehört, taucht John laut schnaubend in den Tiefen der Keku Strait ab. Es dauert noch fast eine Stunde, bis wir einen geeigneten Platz finden (N 56°45.781′ W133°43.207′). Mittlerweile regnet es und der Wind hat zugenommen. Gegen 19.30 Uhr  liegen wir im Schlafsack, kalt, müde aber zufrieden mit dem Tag.

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Tag 6

Heute ist es warm und sonnig, so dass wir unsere Sachen trocknen können. Nach einer ruhigen und unspektakulären Fahrt von unserem Übernachtungsplatz irgendwo zwischen High Island und Horseshoe Island kommen wir nach Point Camden auf Kuiu Island (N 56° 47.420′ W 133° 53.481′). Unser Lager können wir auf einer lang gestreckten Kieszunge aufschlagen, die ähnlich wie Dünen und Nehrungen im Laufe der Jahrhunderte durch Wind und Wellen entstanden ist.

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Die Landschaft Southeast Alakas ist geprägt durch die Wisconsin-Eiszeit, die ihre größte Ausdehnung etwa zur gleichen Zeit wie die Weichsel-Eiszeit in Norddeutschland hat.  Auf ihrem Höhepunkt vor rund 20.000 Jahren haben Gletscher ganz Southeast Alaska überdeckt. Lediglich Bergspitzen über 1500 Meter ragten aus dem Eis heraus. Pflanzen und Tiere existierten zu dieser Zeit kaum. Nach dem Abschmelzen der Gletscher vor rd. 10.000 Jahren entstehen langsam die heutigen Landschaftsformen. In dieser Zeit wandern die ersten Menschen von Sibirien nach Alaska ein. Aber der Druck des Gletschereises hat die Oberfläche zusammengedrückt, die erst langsam wieder aufsteigt. Der Meeresspiegel lag vor 10.000 Jahren zum Teil 150 Meter über dem heutigen Niveau. Und noch immer „wächst“ die Erdoberfläche. Ähnlich wie in der nördlichen Ostsee hebt sich der Boden je nach Ort von einigen Millimetern bis zu mehreren Zentimetern im Jahr. Dieser Prozess führt unter anderem zu einer Ausdehnung der Regenwaldgrenze und ist über die Jahrzehnte – also in einem Menschenleben – zu beobachten: An vielen Stränden im Panhandle sind Baumstämme zu sehen, die vor vielleicht 100 Jahren zu Transportzwecken zu Flößen zusammengebunden worden sind, dann aber in den Herbst- und Winterstürmen auseinander gerissen und an Land gespült worden sind. Haben sie zunächst am Spülsaum gelegen, werden sie  mittlerweile von den Pionierpflanzen des Urwaldes überwuchert. Die Erdoberfläche steigt, und der Regenwald greift Platz.

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Tag 7

Tony hört wie üblich den Seewetterbericht. Es werden 25 kn aus Nord angesagt, was  bedeutet, dass wir gegen einen Wind von 6 bft anfahren müssten. Wir hätten kaum Abdeckung. Vielmehr würde der Wind in den nördlichen Teil der Keku Strait wie in einen Trichter hineinblasen. Da wir überdies ein sehr schönes Lager haben, entschließen wir uns, einen Tag Pause zu machen. Gleich nach dem Aufstehen glaube ich für einige Sekunden einen Grizzly aus dem Wald auftauchen zu sehen. Mein Verstand sagt mir, dass das nicht sein kann. Wir sind zu viert seit über zwölf Stunden hier und verursachen viel zu viel Lärm. Die Bären im Umkreis von 15 Meilen wissen, dass wir hier sind und werden uns deshalb meiden. Der Grizzly entpuppt sich dann auch schnell als ein Hirsch, der am Strand offensichtlich seinen Salzbedarf decken will, ein Verhalten, das  viele reine Pflanzenfresser hier an den Tag legen. Bald darauf sichten wir die Finnen von zwei Dall’s Porpoise, einer nordamerikanischen Schweinswalart.

Als der Tag mehr und mehr aufklart, können wir von unserem Platz aus nach Kake und weit über den Frederick Sound blicken. Vor 20.000 Jahren war dies alles von einer dichten Eischicht bedeckt. Selbst die Bergspitzen auf Admiralty Island, alle so um die 1000 Meter hoch, würden 500 Meter unter dem Eis liegen. Wir gehen am Strand spazieren, genießen den Tag, lassen es uns gut gehen.

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Tag 8

Mit achterlichem Wind fahren wir in nördliche  Richtung. Wir machen gut Fahrt, zumal auch die Strömung zeitweise mit uns ist. Aber ich merke, dass dies nicht mein Tag werden wird. Seit einigen Tagen habe ich Husten und fühle mich schlapp. Auch bin ich nass und friere. Der Himmel ist verhangen, bald regnet es. Die Landschaft zwischen den Keku Islands und Kuiu Island ist bedrückend. Das Wetter passt zu der dunklen Geschichte von Kuiu Island. Vor 140 Jahren, im Januar 1869 befahl General Davis, Kommandant der US-amerikanischen Truppen in Southeast Alaska, die Zerstörung von drei Dörfern der Kake-Indianer (vom Stamme der Tlingit) – als Vergeltungsaktion für die Ermordung von zwei Weißen durch die Kake, einer  Tat, die ihren Grund wiederum darin hatte, dass ein Wachsoldat in Sitka einen Kake-Indianer erschossen hatte. Die Dörfer wurden nie wieder aufgebaut und so ist dieses Geschehen Teil des Untergangs der Kultur der Natives in Alaska. Nachmittags umfahren wir Cornwallis Point und fahren in die Saginaw Bay ein. Meine Stimmung steigt für kurze Zeit. Uns bietet sich ein wunderschöner Anblick: schroffe Felsen, Höhlen und hängenden „Gärten“. Und plötzlich geht die Sonne doch noch auf. Böse dreinschauend blickt sie aus 10 Metern Höhe auf mich herab. Eine Felsmalerei – stummes Zeugnis der früheren Besiedlung durch die Kake-Indianer. Als wir kurz darauf unseren Übernachtungsplatz in Halleck Habour erreichen (N 56°55.737′  W 134°14.582′), setzen Dauerregen und Sturm ein. Der Strand ist sehr schmal. Wir müssen die Zelte im Wald aufbauen. Es ist so kalt, dass wir wenig später im Schlafsack liegen.

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Die Geschichte der Native People in Alaska ist die Geschichte verschiedener Wanderungsbewegungen. Wenngleich im Detail vieles umstritten ist, geht man heute davon aus, dass zwischen Asien und Amerika bis zum Ende der letzten (Wisconsin)Eiszeit vor ca. 10.000 bis 12.000 Jahren eine Landbrücke, die Beringa, bestand. Über sie sind vor 12.000 bis 16.000 Jahren Menschen von Sibirien nach Amerika gewandert. Zwar gibt es unabhängig davon Spuren einer ersten menschlichen Besiedlung in Mexiko, die ca. 40.000 Jahre alt sind, die auf eine frühere Besiedlung Amerikas aus dem Südpazifischen Raum hindeuten. Die heute in Amerika lebenden Indianer stammen aber offenbar alle von nur 70 Vorfahren ab, die über die Beringa eingewandert sind. Die Nachfahren dieser Paläo-Indiander besiedelten das Binnenland und die Pazifikküste. Vor rd. 4000 Jahren fand eine weitere Wanderungsbewegung von Sibirien nach Alaska statt. Da die Landbrücke längst versunken war, müssen diese Menschen mit ihren Booten den Weg von Asien nach Alaska genommen haben. Sie sind die Vorfahren der Aleuten und der Inuit.Native People im Alexander Archipel sind die von den Paläo-Indianern abstammenden Tlingits. Lediglich der südliche Teil von Prince of Wales Island zählt mit den zu Kanada gehörenden Queen Charlotte Islands zum Siedlungsgebiet der Haida. Die Tlingit  lebten traditionell vom Fischfang; sie wohnten in Langhäusern und waren in der Lage, seegängige Kanus zu bauen. „When tide is out, table is set.“ Dieses Sprichwort der Tlingits kennzeichnet zweierlei: Die Abhängigkeit vom Meer und den Gezeiten und den relativen Reichtum der Tlingit. Die Gezeiten nähren die Tlingits. Sie bauten Fischfallen aus Steinen und Holz, in denen sich bei ablaufendem Wasser Lachse und andere Fische verfangen und nur noch eingesammelt werden müssen.  Die oft mehrere hundert Meter langen Gezeitenzonen bergen Muscheln und Krustentiere, die bei low tide geerntet werden können. Ein anderes Sprichwort lautet daher: „Ein Tlingit, der an Hunger stirbt, muss ein Narr sein.“ Beach food ist allerdings die Nahrung der Massen. Wer es zu Reichtum gebracht hat, der verlangt nach anderem. Und den Schamanen und ihren Familien ist es sogar untersagt, sich von Fischen und Krustentieren zu ernähren. Wie dem auch sei. Fisch ist das Hauptnahrungsmittel der Tlingit. Große Mengen von Lachs, Heilbutt und Hering werden gefangen, gegessen, für den Winter getrocknet und eingelagert. Meeressäuger werden gejagt. Seehunde, Seelöwen, Seeotter – ihre Felle dienen als Kleidung, das Fleisch als  Nahrungsergänzung. Daneben betreiben die Tlingits die Jagd auf Hirsche, Bären und Bergziegen. Die Kultur der Tlingit basiert auf mündlich überlieferten Sagen, die über Generationen weitergegeben werden.   Die zentrale Figur ist hierbei der Rabe. Er ist der Schöpfer der Welt, weil er den Menschen das Sonnenlicht bringt. Die darstellende Kunst der Tlingits ist mit ihrer Umwelt eng verknüpft: Der Rabe, die Menschen, Bär,  Adler und Wolf, aber auch andere Tiere bis hin zu den Mosquitos, Sonne und Mond, sind die wiederkehrenden Motive. Motive und Farbwahl – Schwarz, Weiß und Rot bestimmen das Bild, andere Farben werden kaum benutzt – erscheinen fast simpel. Aber die radikale Vereinfachung verbunden mit einem strengen Formensystem gibt dieser Kunst ein unverkennbares Gepräge, von dem man sehr schnell eingenommen wird. Faszination lösen Bilder und Reliefs an Felswänden aus.

Tag 9

Es regnet seit gestern Nachmittag. Der Wetterbericht kündet von 6 bis 7 bft auf dem Frederick Sound. In der Bucht liegen wir windgeschützt und werden deshalb hier abwettern. Nach dem Frühstück kämpfen wir uns eine Stunde durch den Regenwald. Vom Ufer aus geht es ebenerdig ca. 100 Meter in den Wald, dann ragen Felswände hoch. Als wir gestern in die Saginaw Bay eingefahren sind, hatten wir den Eindruck, dass es möglicherweise einen Weg auf das Felsplateau geben könnte. Als wir uns unter Ästen und Zweigen hindurch winden, über Baumstämme klettern, aufpassen, dass wir nicht an Dornen und Stacheln hängenbleiben und immer öfter mulmig nach unten schauen, muss ich an  alte Indianergeschichten aus der Kindheit denken, in denen Geronimo sich im Wald bewegte und dabei keinen Laut gab, keinen Grashalm knickte und keine Spur hinterließ. Obwohl wir vorsichtig sind, wirken wir im Vergleich dazu wohl eher wie der Kegelverein auf Norderney. Und ich muss an Alexander von Humboldt denken, wie er den Chimborazo bestiegen hat und sich dabei durch einen wahrscheinlich  ähnlich unzugänglichen Regenwald kämpfen musste. Nach einer halben Stunde merken wir, dass das, was wir für einen alten Indianerpfad gehalten haben, allenfalls ein Wildwechsel war. Jedenfalls hört der „Weg“ abrupt auf und wir kehren zum Ufer zurück. Trotzdem ist auch dieser zweite Waldspaziergang eindrucksvoll und zeigt mir wieder, dass der Mensch sich im Regenwald unter- und einordnen muss. Zurück am Strand versuchen wir, das Plateau von der Seeseite aus zu erreichen. Es ist auflaufendes Wasser, und wir müssen aufpassen, dass uns die Flut auf dem Rückweg nicht den Weg abschneidet. Aber auch dieser Versuch bleibt ohne Erfolg. Wir klettern über scharf kantiges Gestein finden aber auch hier keinen Zugang. Bald geben wir auf. Mittlerweile hat es sich eingeregnet. Obwohl erst 14.00 Uhr verkriechen wir uns in den Zelten, die wir an diesem Tag nur noch für einen kurzen Abendimbiss verlassen werden.

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Tag 10

Wir schauen auf die Bucht von Halleck Habour: Auf der gegenüberliegenden Seite hängen tiefe, graue Wolken über den Bergen. Es regnet Bindfäden. Aber der Wind hat nachgelassen, das Wasser sich beruhigt. „Das Wetter ist gar nicht schlecht“, stellt Tony fest und ich stimme ihm freudig nickend zu. Ich bin bis auf die Knochen nass und will hier nur noch weg. Der Ort hat etwas Unheimliches und macht depressiv. Die Berge um uns herum, der tiefschwarze Himmel, der Urwald, die Geschichte mit General Davis. Das alles schlägt mir seit gestern mächtig auf die Seele. Bei Windstille verlassen wir gegen Mittag Halleck Habour. Bei der Ausfahrt aus Saginaw Bay bewundern wir noch einmal die hängenden Gärten, die Wandmalerei und die Höhlen. Als wir Cornwallis Point erreichen, bekommen wir schönstes Seekajakwetter. Der Wind hat nachgelassen, aber Dünung und Wellen von einem halben Meter sorgen für Spaß beim Fahren.

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Ansonsten ist das Wetter immer noch miserabel. Es regnet jetzt 48 Stunden ohne Unterbrechung und am Himmel wechseln sich verschiedene Grautöne ab. Wir sind nicht lange unterwegs. Den Übernachtungsplatz hatten wir schon vor zwei Tagen ausgemacht (N 56°54.862′ W 134°08.742′). Ein schöner lang gestreckter Kiesstrand mit einer Wasserstelle. Wir bauen die Tarp auf und ich verkünde, dass wir in zwei Stunden Sonnenschein haben werden. Ich ernte ein müdes Lächeln meiner Mitreisenden. Da wir keinen Wind mehr haben, werden wir von Mosquitos überfallen, aber unter der Tarp sind die Mücken jedenfalls trocken. Und dann passiert es tatsächlich. Die Sonne kommt durch. Zwar regnet es immer noch, aber plötzlich mischen sich warme Sonnenstrahlen mit dem Regen und einen halbe Stunde später hört auch der auf. Meine gedrückte Stimmung ist wie weggeblasen, wir ziehen die klammen Klamotten aus, legen alles in die Sonne, gönnen uns ein Bad im Pazifik. Alles kein Problem, wenn man anschließend wieder trocken wird. Als wir zu Abend essen, zieht schnaubend ein Seelöwe an uns vorbei.

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Tag 11

 Morgens machen wir uns bei spiegelglattem Wasser auf nach Kake. Wir fahren zwischen den Keku Islands hindurch. In einem ausgedehnten Kelpwald sehen wir mindestens 15 Seeotterweibchen mit ihren Jungen. Gegen Mittag erreichen wir Kake. Dieser 700 Seelen Ort wurde 1890 als Siedlung der Kake-Indianer gegründet – als Ersatz für die Zerstörung ihrer alten Dörfer durch General Davis. Als wir in den Hafen von Kake einfahren, werden wir von zahlreichen Weißkopfseeadlern argwöhnisch beobachtet. Im wahrsten Sinne des Wortes stören wir die Mittagsruhe. Fischer haben auf dem Schwimmsteg zwei meterlange Lachse hinterlassen, die mittlerweile bis auf die Gräten abgenagt sind. Nur noch Kopf und Schwanzflosse sind übrig geblieben. Widerwillig und ohne die stinkenden Gräten aus den Augen zu lassen, ziehen sich die Vögel auf das Geländer der klapprigen Seebrücke zurück, von wo nun alle Adleraugen auf uns gerichtet sind. Wir fotografieren die Fischleichen – schon gut Jungs, wir nehmen euch nichts weg – und treten den Weg ins Dorf an. Gleich an der Hauptstraße befindet sich das Postamt, wo wir nach dem Supermarkt fragen. Mit mitleidsvollen Blicken erklärt uns die freundliche Postbeamtin, dass wir die Hauptstraße rd. 1,5 Meilen in südliche Richtung gehen müssten. Wir machen uns auf den Weg. Nach wenigen Schritten hält ein Auto direkt neben uns und eine ältere Dame bittet uns einzusteigen. Wir sagen nicht nein und werden nach kurzer Fahrt mit besten Wünschen für unsere weitere Tour, aber auch deutlichem Kopfschütteln am Supermarkt abgesetzt. Nachdem wir für einen astronomischen Preis etwas Brot, Müsli, Äpfel und Schokolade eingekauft haben, verlassen wir das Geschäft. Mittlerweile ist das gesamte Dorf darüber informiert, dass wir diese merkwürdigen Deutschen sind, von denen einer fließend amerikanisch mit einem britischem Akzent spricht und die nichts Besseres zu tun haben, als mit Paddelbooten durch den Frederick Sound zu fahren. Dabei gibt es mittlerweile doch Motorboote. Wir trotten die Dorfstraße zurück zum Hafen und sind dabei die einzigen Fußgänger. Die Einheimischen fahren mit ihren Pickups und Vans im 15 Sekundentakt an uns vorbei – fast alle freundlich grüßend, so als gehörten wir schon seit langem zur Einwohnerschaft. Es scheint hier gegen die Menschenwürde zu verstoßen, mehr als 100 Schritte am Stück zu laufen. Wenn man schon Petersburg nicht als ein romantisches Fischerdorf bezeichnen kann, Kake ist es mit Sicherheit nicht. Viele Häuser und Hütten sind in einem erbarmungswürdigem Zustand. Das einzige Café, das wir entdecken, hat jetzt um 14.00 Uhr geschlossen. Bald sitzen wir wieder in unseren Booten. Der Wind nimmt jetzt kräftig zu und wir fahren die Küste von Kupreanof Island nach Norden.  In Höhe von Point White sehen wir in einiger Entfernung einen Wal. Zuerst erkennen wir nicht mehr als die Fontäne und das aufschäumende Meer. Dann erscheint ein weiterer Wal recht dicht neben uns. Wieder macht sich Faszination und Staunen breit. Hinzu kommt schönstes Seekajakwetter. Eine Stunde schieben uns Wellen und achterlicher Wind an der Küste entlang. Dann legen wir zwischen Point White und Point Macartney an (N 57°01.381′ W 134°02.684′).

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Tlingit heute. Anders als die meisten anderen Stämmen der Natives in den USA  verfügen die Tlingits nicht mehr über ihrem Stamm gehörendes Land (Indian reservation). Dies ist die Folge des Alaska Native Claims Settlement Act (ANCSA), einem 1971 unterzeichneten Abkommen, das die bis dahin bestehenden Besitzverhältnisse der Natives in Alaska grundlegend verändert hat. Wie so oft in Alaska war es wieder einmal die Ausbeutung des Landes, die hierfür den Ausgangspunkt bildete. Diesmal ging es jedoch nicht um Seeotter und Wale sondern um Öl. 1968 entdeckte man Öl an der Prudhoe Bay in Nordalaska. Der billigste Weg, das Öl in die lower 48 states (so bezeichnet man in Alaska das Kernland der USA) zu transportieren, bestand darin, eine Pipeline quer durch Alaska zu legen. Dies setzte jedoch eine Einigung mit den Natives voraus, durch deren Stammesgebiete die Pipeline zum Teil führen sollte. Mit dem ANCSA wechselten rd. 600.000 Quadratkilometer den Eigentümer, insgesamt erhielten die Natives $ 962,5 Millionen. Ein Teil des Geldes ging an rund 200 Dorfgemeinschaften. Darüber führte der ANCSA zur Gründung von zwölf Regionalgesellschaften, die mit Hilfe des restlichen Geldes die wirtschaftliche Situation der Natives sichern sollten. Für die Tlingits und Haida wurde die Sealaska Inc. zuständig, die an jeden der damals knapp 15.000 Natives 100 Anteilscheine  ausgab. Sealaska Inc. betreibt bis heute verschiedene Unternehmen von der Holzindustrie bis hin zu Informationstechnologie und beschäftigt 1.000 Menschen, zum größten Teil davon Anteilseigner und deren Angehörige. Nicht zuletzt der ANCSA hat zur Folge, dass das heutige Siedlungsgebiet der Tlingits kaum genau beschrieben werden kann. Tlingits leben heute überwiegend im Panhandle, aber auch in Hoonah, nahe der Glacier Bay sowie in Teilen Kanadas.

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Tag 12

Der Wind hat abgeflaut, die Brandung sich gelegt. Es ist diesig, fast nebelig. Wir fahren um Point Macartney herum Richtung Cape Bendel; schemenhaft erkennen wir im Dunst immer wieder kleine Fischerboote, die aus Kake kommen. Die Nordwestspitze von Kupreanof Island unterscheidet sich von dem, was wir bislang gesehen haben. Wachsen sonst  30, 40, 50 Meter hohe Nadelbäume an den steil zum Meer abfallenden Bergrücken in die Höhe,  fahren wir jetzt kilometerweit an abgeholzten und nicht wieder aufgeforsteten Wäldern vorbei.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAIrgendwo am Strand haben Umweltschützer Kreuze  aufgestellt, um auf diesen Frevel hinzuweisen. Neben dem Fischfang ist die Holzwirtschaft die einzige Einnahmequelle für die Menschen. Wer aus New York, Seattle oder Berlin kommt, hat deshalb leicht reden. Nach der Entdeckung Alaskas durch Vitus Bering und den Fanfarenstoß von James Cook und anderen zur flächendeckenden Ausbeutung sind die Tlingits und Haida binnen weniger Jahrzehnte ihrer Kultur der Subsistenzwirtschaft beraubt worden. Bald haben wir Cape Bendel hinter uns gelassen und fahren auf Point Pinta zu, als wir wieder den Blas von Walen sehen. Aber die Tiere sind weiter weg als gestern. Es dauert nicht lange, da sichten wir wieder einen Schwarzbären am Strand. Langsam lassen wir uns von der Strömung Richtung Ufer treiben. Der Bär sucht das Ufer nach Schalen- und Krustentieren ab. Noch hat er uns nicht bemerkt.  Als wir im Wind stehen, nimmt er sofort unsere Witterung auf und schaut in unsere Richtung. Wir lassen uns weiter treiben. Der Bär ist neugierig geworden und geht auf uns zu. Noch liegen bestimmt 200 – 250 Meter Wasser zwischen uns, aber die Entfernung wird geringer. Der Bär wirkt interessiert, kann uns aber nicht einordnen. Zwei bis drei Minuten sehen wir uns gegenseitig an – fasziniert, gespannt, respektvoll. Dann sehen wir zu, dass wir weg kommen. Der Bär setzt sich auf sein Hinterteil und beobachtet unseren Rückzug. Als wir unseren Übernachtungsplatz erreichen (N 57°03.388′ W 133°38.026′) ist es nebelig und dunstig. Vor uns liegen der Frederick Sound und  Admiralty Island. Nichts von dem sehen wir jetzt. Den Plan, Stephens Passage Richtung Norden hochzufahren, mussten wir vor einigen Tagen aus Zeitgründen aufgeben. Beim Einschlafen höre ich, wie eine Seelöwenfamilie schnaufend an der Küste vorbeizieht. Ich falle in einen Tiefschlaf. Die markerschütternden Geräusche eines Wals, von denen meine Mitreisenden am nächsten Morgen berichten, höre ich nicht.

 Tag 13

Wir sind gerade eine Stunde unterwegs, als wir auf eine große Gruppe Seelöwen stoßen. Schon unsere bisherigen Begegnungen mit ihnen, haben mir gezeigt, dass sie im Gegensatz zu Seehunden durchaus mutiger sind. Zwar können auch Seehunde ihre Neugier oftmals nur schwer im Zaume halten, aber sie halten in der Regel deutlichen Abstand und schwimmen niemals direkt auf uns zu. Seelöwen trauen sich mehr und können ihre Besitzansprüche auch mit einem deutlichen Fauchen und langen Zähnen unterstreichen. Trotzdem sind bislang alle Seelöwen nach einer solchen Machtdemonstration abgetaucht. Was wir jetzt erleben, überrascht uns zutiefst. Während wir in einem Abstand von 300 – 400 Meter zur Küste paddeln, begleiten uns die Seelöwen über mehrere hundert Meter. Sie schauen zu uns herüber, einige bleiben hinter unseren Booten, andere begleiten uns und setzten dabei zu Delphinsprüngen an. Nach 10 – 15 Minuten scheint Schluss zu sein.

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Dann, keine 200 Meter entfernt, taucht plötzlich ein Buckelwal mit Fluke und Finne aus dem Wasser auf. Wir hatten zwar schon morgens auf der anderen Seite des Frederick Sounds von weitem Fontänen gesehen, jetzt aber sind mindestens zwei Wale direkt vor uns. Wir stellen jede Paddelbewegung ein, bleiben dicht beisammen und warten, was passiert. Plötzlich wieder ein Walrücken, dann noch einer, Fontänen schießen in die Luft. Immer wieder taucht ein Walrücken aus dem Wasser vor uns auf. Dann sehen wir die Fluke, und der Wal taucht ab.

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Jetzt legen die Seelöwen wieder los. Als ob sie auf sich aufmerksam machen wollen, schwimmen sie fast die gesamte Strecke bis Portage Bay neben uns. Ein Bulle macht Tony deutlich, wer das Sagen hat und zeigt ihm den Eckzahn. Irgendwann, ich bin vielleicht 500 – 600 Meter von den anderen entfernt, nehmen mich zwei Jungbullen in die Zange, indem sie links und rechts auf mein Boot zu schwimmen. Ich weiß mittlerweile um das ausgeprägte Imponiergehabe der beiden Herren und lasse mich davon nicht mehr erschrecken. Nach dem üblichen Gefauche wird abgetaucht. Silke berichtet anschließend, wie die beiden vom Ufer aus direkt auf mein Boot zugeschwommen sind. Mir wachsen die Seelöwen langsam ans Herz.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAAls wir unseren Übernachtungsplatz ansteuern, erleben wir die nächste Überraschung. Eine Elchkuh läuft mit ihrem Kalb am Strand entlang. Wie wir später erst erfahren, machen wir eine einzigartige Beobachtung. Fast nie bekommt man hier Elche zu Gesicht, wie uns Einheimische erzählen. Selbst für Tony, der zigmal in dieser Gegend gewesen ist, ist es das erste Mal. Wir lassen uns am Ufer treiben, um die Tiere zu beobachten, die uns längst gewittert haben und nervös zu uns herüberblicken. Bald darauf gehen wir an Land (N 57°00.610′ W 133°11.732′). Zum Abendessen schwimmt wieder eine Familie Seelöwen laut tosend an uns vorbei. Nach der Reizüberflutung dieses Tages nehmen wir es gelassen hin.

Buckelwale kommen im Pazifik, Atlantik und im Indischen Ozean vor, bilden dabei aber von einander getrennte Populationen, die den Äquator jeweils nicht überqueren. So verbringt etwa die im Nordpazifik lebende Population den Sommer in den polaren und subpolaren des Nordpazifiks, den Winter in seinen subtropischen und tropischen Gebieten. Entsprechend verhalten sich die Populationen des Südpazifiks, sowie des Nord- und des Südatlantiks. Von den Buckelwalen, die im Nordpazifik leben, halten sich jeden Sommer etwa 500 Tiere im Frederick Sound auf. Das entspricht ihrer Vorliebe für küstennahe Gewässer. Während im Sommer in den subpolaren Gebieten überwiegend Krill und etwas Hering gefressen wird, findet die Fortpflanzung und Geburt  – bei einer Tragzeit von 12 Monaten – in den Winterquartieren statt. Buckelwale erreichen eine durchschnittliche Länge von 13 Metern und gehören damit zu den kleineren Großwalen. Zum Vergleich: Der Blauwal kann bis zu 33 Meter lang werden. Doch auch diese Größe ist beeindruckend, wenn die Tiere unmittelbar vor einem auftauchen. Wie alle Wale wurden Buckelwale wegen ihres Fleisches, des Waltrans, der vor der Ära des Erdöls flächendeckend als Brenn- und Schmierstoff Verwendung fand, ihrer Knochen und vor allem wegen des aus den Barten gewonnenen Fischbeins zur Korsettherstellung überall auf der Welt gejagt. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts setzte mit der Erfindung der Sprengharpune der industrielle Walfang ein. In den 1930ger Jahren wurden weltweit jährlich bis zu 30.000 Wale getötet; diese Zahl steigerte sich bis zu 40.000 Tieren jährlich in den 1960ger Jahren. 1931 wurden noch ganze 100 Buckelwale gezählt, bei einem geschätzten Bestand von 125.000 Tieren vor der massiven Bejagung ab dem 18./19. Jahrhundert. Heute geht man von einem Bestand von etwa 12.000 Buckelwalen aus. Obwohl Wale längst keinen „Wert“ als Rohstofflieferanten mehr haben, wird das Walfangverbot von Russland, Island, Norwegen und insbesondere Japan immer wieder unterminiert.

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Tag 14

 Ein ruhiger und ereignisloser Tag. Nach dem Aufbruch fahren wir noch ein kurzes Stück die Küste von Kupreanof Island entlang um dann bei bei Cape Strait den Frederick Sound auf einer Länge von knapp 10 km in Richtung Wood Point zu queren. Die Querung macht bei Rückenwind und Transporterwellen wenig Mühe; um 12.00 Uhr haben wir Wood Point bereits erreicht. Unser Platz (N 56° 59.540′ W 132° 56.972′) liegt auf der Spitze einer kleinen Landzunge, von dem wir wieder einen schönen Blick über den Frederick Sound und in die Thomas Bay hinein haben.

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Tag 15

Wir wollen heute möglichst dicht an den Baird Glacier herangelangen. Nach kurzer Diskussion entschließen wir uns, hier die Zelte abzubrechen und alles für den Fall mitzunehmen, dass wir aus welchem Grund auch immer nicht mehr zurück nach Wood Point gelangen sollten. Schon die Fahrt durch die Thomas Bay ist bei strahlend blauem Himmel von überwältigender Schönheit. Hohe, schneebedeckte Berge spiegeln sich im glatten Wasser. An der Nordseite der Bucht fallen schroffe Felsküsten steil ins Meer ab. Felsvorsprung um Felsvorsprung fahren wir tiefer in die Bucht hinein, bis wir nach rund einer Stunde den Gletscher vor uns sehen. Schnell verändert sich unsere Umgebung. Das Wasser, das eben noch klar war, trübt sich aufgrund des abschmelzenden und sedimenthaltigen Gletscherwassers milchig ein. Und es wird kälter. Paddelschlag auf Paddelschlag nähern wir uns dem Ziel. Die Thomas Bay verengt zu einem Fjord. Wir hören Geräusche von Walen. Irgendwo in den Bergen heult ein Wolf. Wahrscheinlich weiß bereits schon wieder die halbe Tierwelt, dass wir da sind. Gegen Mittag erreichen wir dass dem Gletscher vorgelagerte Geröllfeld und gehen an Land. Steine, so groß und so rund wie Kegelkugeln zeugen von den Schleifbewegungen des Gletschers über die Jahrtausende. In den Felswänden erkennen wir tiefe Riefen. Aber der Gletscherfuß ist immer noch weit entfernt. Wir laufen über das Steinfeld  – wohl eine knappe Stunde und verlieren die Zeit ob der Einmaligkeit der Landschaft. Den Gletscherfuß erreichen wir dennoch nicht. Ein Bergbach stellt ein unüberwindliches Hindernis dar. Der Versuch hindurch zu waten ist aussichtslos.

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Wir kehren um und wären fast wieder einmal Opfer der Tide geworden. Das Wasser hat sich so schnell zurückgezogen, dass unser Fahrwasser  um ein Haar trocken gefallen wäre. Zehn Minuten später und wir hätten die nächsten zehn Stunden hier verbringen müssen. Time and tide wait for no man. Auf dem Rückweg machen wir einen Abstecher in die Scenery Cove, ein Minifjord mit glasklarem Wasser, das hier kaum noch salzig schmeckt, strömt doch am Ende Quellwasser mit großer Geschwindigkeit ein. Zurück aus der Scenery Cove packt uns plötzlich ein heftiger Seitenwind aus nordöstlicher Richtung. In dieser schmalen, gut geschützten Bucht glaubt man, dass die bis zu 1500 Meter hohen Berge diesen Wind eigentlich abhalten müssten. Natürlich führen die hohen, schneebedeckten Berge aber dazu, dass die aus Osten kommenden Luftströmungen in „Windeseile“ abkühlen und dann als Fallwinde hohe Geschwindigkeiten auf sehr kurzen Stecken aufbauen. Wir hatten davon gelesen. Jetzt haben wir es am eigenen Leib gespürt. So schnell der Wind gekommen ist, so schnell geht er auch wieder. Da wir in diesem Teil der Thomas Bay keinen geeigneten Platz finden, fahren wir nach Wood Point zurück.

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Tag 16    

Wir brechen gegen 10.00 Uhr auf und fahren jetzt in südliche Richtung die Festlandküste entlang. Es ist der bislang wärmste Tag der Tour. Der Wetterbericht verkündet überdies, dass es auch die nächsten zwei Tage so warm bleiben soll. Die Strömung macht uns heute zu schaffen. Wir kommen nur langsam voran. Bei Icy Cove finden wir einen Übernachtungsplatz mit einer Quelle besten Wassers (N 56°51.911′ W 132°47.845′).

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Tag 17

Wir wollen heute Le Conte Bay erreichen, um von dort zu versuchen, an den  gleichnamigen Gletscher zu gelangen. Dazu geht die Fahrt weiter an der Festlandsküste entlang. Schon kurz nach dem Start sehen wir die ersten Eisberge. Der Tag verspricht spannend zu werden. Bald nimmt die Zahl der Eisberge zu.

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Die meisten sind kleiner als ein Ruderboot, einige so groß wie eine Autogarage, wenige haben die Ausmaße eines Einfamilienhauses. Anfangs glauben wir, dass die Eisberge uns den Weg in die Le Conte Bay versperren. Von weitem wirken sie wie auf uns, als ob sie eine undurchdringliche Kette bilden. Je dichter wir aber kommen, umso mehr erkennen wir die einzelnen Durchfahrten. Bald befinden wir uns in einem icerock-garden. Jeder Eisberg hat eine andere Form und eine andere Farbe – von schneeweiß bis strahlend blau, teilweise garniert mit Geröllsteinen. Bald hat man den Eindruck, sich in einer Kunsthalle zu befinden, in der die Eisberge wie abstrakte Plastiken wirken. Aber die Schönheit verdeckt  die Gefahren. Mit lautem Getöse bricht weinige Meter von uns ein Eisberg auseinander, das Untere dreht sich nach oben. Wasser spritzt auf und Wellen laufen auf uns zu. Dieses Schauspiel werden wir die nächsten Tage öfter sehen. Die Tagestemperaturen liegen mittlerweile zwischen 20° und 26° C. Die Eisberge schmelzen dahin, aber natürlich nicht gleichmäßig, sondern den Gesetzen der Chaostheorie folgend. Irgendwann verlagert sich der Schwerpunkt des Eisbergs und er kippt um. Von jetzt an halten wir gebührenden Abstand. Wir fahren tiefer in die Le Conte Bay hinein. Rund drei Kilometer westlich von Thunder Point finden wir einen Übernachtungsplatz (N 56° 47.399′ W 132° 30.449′). Diesmal handelt es sich nicht um einen Sand- oder Kiesstrand, sondern vor uns erstreckt sich eine große Salzwiese, die durch einen Gebirgsbach geteilt wird. Wir fahren den Bach dreihundert Meter hinauf, um möglichst dicht an den höher liegenden Wald zu gelangen, der sich an die Salzwiese anschließt. Von hier aus müssen wir die Boote noch gut 150 Meter hoch schleppen, bis sie sicher vor der Flut im Gras liegen.

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Tag 18

Heute wollen wir den Fuß des Le Conte Seegletschers erreichen. Da er nur fünf Kilometer von unserem Standquartier entfernt ist, entschließen wir uns ausnahmsweise, ohne die gesamte Ausrüstung weiter zu fahren und lassen die Zelte stehen. Weiter oben wird es ohnehin keinen Übernachtungsplatz geben. Um 11.00 Uhr brechen wir auf. Früher lässt es die Tide nicht zu, wenn wir nicht 200 bis 300 Meter durch den Schlick waten wollen. Über den Gebirgsbach erreichen wir die eigentliche Bucht. Zunächst geht unser Plan auf. Durch den icerock-garden gelangen wir schnell bis nach Thunder Point. Als wir dort um die Ecke biegen, um die letzten zwei bis drei Kilometer zum Gletscher in Angriff zu nehmen, werden wir jedoch von einer extrem starken Gegenströmung erfasst. Die Eisberge treiben mit einer Geschwindigkeit von schätzungsweise 3 km/h auf uns zu. Birgt schon das Paddeln in dem stehenden icerock-garden gewisse Gefahren, ist uns das Risiko hier zu hoch. Wer sich zwischen den rasenden Eisbergen verfährt, läuft Gefahr, von ihnen gegen eingeklemmt zu werden. Also sind wir vernünftig und fahren zu unserem Standquartier zurück. Dort treffen wir auf eine Gruppe von Tagestouristen, die sich mit einem Motorboot am Eingang der Le Conte Bay haben absetzen lassen und mit Kayaks bis hierher gepaddelt sind. Als sich die Gruppe  – eine sechsköpfige Familie aus Chicago – mit der Fahrtenleiterin wieder auf den Rückweg macht, sind wir über die miserable Technik entsetzt. Mit unseren Sicherheitsstandards hat das was wir sehen nichts zu tun. Auch wenn es in den letzten Tagen etwas wärmer geworden ist, ist das Wasser immer noch 10° C kalt. Wenn es zu einer Kenterung käme, hätte die Fahrtenleiterin keine Chance, ihre sechs Schützlinge, die sich auf Zweierkajaks verteilen, wieder ins Boot zu bekommen. Aber wir befinden uns eben in Alaska. Das ist das Land der Abenteurer und Entdecker. Für europäische Weicheier und albernes Sicherheitsdenken ist da kein Platz. Die Wildnis will erobert werden – gerade wenn man aus Chicago kommt. Yes, we can.

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Tag 19

Heute können wir um 10.00 Uhr aufbrechen. Der Gebirgsbach strömt heute schneller und ist flacher als gestern. Ich setzte mein Boote einmal auf einen Stein auf, aber nach wenigen Minuten bin ich in der Bucht angelangt. Wir verlassen die Le Conte Bay durch den icerock-garden, der sich seit gestern völlig verändert hat. Viele Blöcke sind auseinander gebrochen; ein riesiger Berg vom Rand der Bucht in die Mitte gewandert. Als wir losfahren dreht sich wieder ein Koloss um. Wir sind gut einen Kilometer entfernt und aus unserer Perspektive sieht es aus, als ob ein großes Frachtschiff langsam untergeht. Gedankenverloren fahre ich durch diese Traumwelt. Dabei merke ich nicht, dass sich auf einem Eisberg vier Seehunde sonnen. Wir verlassen Le Conte Bay und wollen zurück nach Icy Cove, dort auch den folgenden Tag verbringen und dann übermorgen nach Petersburg übersetzen. Kurz vor der Mittagspause entdeckt Silke einen Fischotter. Immer wieder taucht er vor ihrem Boot auf; ausgesprochen fotogen und an einem Fischsnack knurpselnd blickt er mehrfach in die Kamera. Kurze Zeit später taucht ein weiterer Fischotter auf. Erwartungsgemäß kommt er mit seinem Kopf immer wieder für einige Sekunden aus dem Wasser. Dann taucht er wieder ab. Plötzlich die Begegnung der dritten Art, als der Fischotter, einen veritablen Fisch im Maul, unmittelbar an Silkes Cockpit den Kopf aus dem Wasser streckt. Mensch und Tier starren sich für Bruchteile von Sekunden an. Mit Gegenwind und Gegenströmung geht es langsam den Frederick Sound hinauf. Es ist recht anstrengend.

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Tag 20

Der vorletzte Tag. Wir haben Sonnenwetter auf Icy Cove, liegen am Strand und sortieren unsere Ausrüstung.

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Tag 21

Nach unserer letzten Nacht in der Wildnis brechen wir nach Petersburg auf. In rund einer Stunde ist Niedrigwasser. Ein letztes Mal schleppen wir die Boote über den trocken gefallenen Strand. Es folgt eine ruhige Querung des Frederick Sound. Nach knapp zwei Stunden haben wir das betonnte Fahrwasser zum Hafen von Petersburg erreicht. Ein letztes Mal sehen wir Seelöwen: Die Fahrwassermitteltonne scheint ein beliebter Treffpunkt der Tiere zu sein. Während sich drei bis vier Seelöwen auf der Tonnenbasis herumlümmeln, wollen andere sich hier auch einen Platz erkämpfen, werden aber mit aller Macht weggebissen. Gejösel und Gefauche, Gezeter und Gezank macht sich breit. Wir hören es über mehrere hundert Meter.

Gegen Mittag legen wir nach 21 Tagen (davon drei Pausentagen) und 410 Paddelkilometern im South Harbor von Petersburg an.

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