12. Hiddenseemarathon 2013

Bin ich Bill Murray? Schaut das Murmeltier grüßend hinter dem Dornbusch hervor? Einiges spricht dafür beim 12. Hiddenseemarathon 2013, der nach 2011 und 2012 mein dritter werden soll: Die herzliche Begrüßung durch Gerhild, Mirko, Achmet und die anderen Paddelkameraden vom Stralsunder KC, die obligatorische Einweisung, ohne die es keine Starterlaubnis gibt (!), die fünfminütige Verspätung beim Start, weil wieder irgend jemand nicht in die Puschen gekommen ist und natürlich die Siegerehrung mit Tombola, die einfach nur Kult ist. Doch dann ist wie immer alles wieder anders.

Mir wird die Startnummer 13 zugeteilt. Als ich Gerhild frage, wie eigentlich die Nummer vergeben werden, bekomme ich eine Antwort, die nach Bootsfarbe mal Geburtsdatum geteilt durch Schuhgröße klingt. Als sie sieht, dass ich der Gerd Müller des diesjährigen Bodden-Events sein werde, beruhigt sie mich: „Du, das ist eine Glückszahl!“ Nun gut. Ich bin nicht abergläubisch. Das bringt nur Unglück.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA Als Achmet um 6:05 Uhr zum Start trötet, ist es wie in den Vorjahren. Ich liege sogleich am Ende des Feldes und will mich Boot für Boot langsam nach vorne arbeiten. Aber irgendwie will dieses probate Mittel diesmal nicht klappen. Mein Vorpaddler hat rund zweihundert Meter Vorsprung, aber an ein Näherkommen ist nicht zu denken. Bei Barhöft zeigt mein GPS einen Schnitt von 8,9 km/h an, das ist ein halber Stundenkilometer mehr als letztens Jahr, aber das Feld ist weg. Nun gut. Kontemplation auf der Ostsee, ganz bei sich sein, die 13 als kosmische Leiter zwischen den Salzkristallen des Brackwassers und der Ozonschicht begreifen. Es kann ein schöner Tag werden. Dann röhrt Theo. Hid13-6Theo Fischer, der große Seenotkreuzer der 23 Meter Klasse, der normalerweise im Darßer Nothafen liegt, zieht mit großer Welle an mir vorbei. Die DGzRS scheint sich heute auf einiges vorzubereiten. Sonst war immer nur das kleine Schwesterboot Hertha Jeep mit von der Partie und auch deren Erscheinen lässt nicht lange auf sich warten. Mit jetzt gut 9km/h geht es ostseeseitig an Hiddensee entlang. Die Wellen sind ungefähr 60 Zentimeter hoch. Ich bin ich nicht weit genug vom Strand weggepaddelt, sondern bewege zu dicht an der Brandungszone. Dadurch komme ich zwar immer wieder in einen flotten Surf, aber in den Wellentälern bremst der Zirpelspinner (Never change a winning boat!) stark ab. Nun begleitet mich ein DLRG-Boot und Hartmut auf einem weiteren Begleitboot rät mir zu einer Steueranlage, deren Blatt auch tatsächlich ins Wasser greift: Wenn wir nachher in Stralsund sind, zeige ich dir mal meine! Auch er fährt einen Eski 550 der älteren Bauart. Schönes Boot, doch leider bei achterlichem Wind furchtbar luvgierig und schwer auf Kurs zu halten. Sonst passiert bis zur Nordspitze nicht allzu viel. Theo und Hertha holen den ein oder IMGP1476anderen Mitpaddler, den die Welle umgeworfen hat, aus dem Wasser. An der Hucke liegt das Meldeboot der Bundesmarine und am Toten Kerl mache ich Pause. Zwar habe ich für die ersten 35 Kilometer nur knapp vier Stunden gebraucht. Aber anders als im vergangenen Jahr verschwende ich nicht einen Gedanken daran, ohne Pause weiterzufahren.

Exkurs

Nach meinem Bericht vom letzten Jahr bin ich gefragt worden, wie das mit der Vorbereitung auf und mit der Verpflegung während des Marathons ist: Seit 2008 paddele ich so um die 1200 km im Jahr. Ein spezielles Vorbereitungstraining mache ich nicht, versuche aber in den vier Wochen vor dem Event zweimal eine Strecke von deutlich über 50 Kilometern zu paddeln. Da ich nur ankommen will, reicht das neben der fast täglichen Fahrradfahrt zur Arbeit offenkundig aus. Am Wettkampftag selbst nehme ich morgens so um die 1200 bis 1500 kcal zu mir: Müsli, Babybrei, baked beans, weichgekochte Eier. Während des Marathons esse ich nur einige Bananen, Fruchtschnitten und Joghurts. Trinken ist wichtig. Ich neige dazu, das zu vergessen, was nicht gut ist, weil man dann Muskelkrämpfe bekommt. Das Anstrengendste ist ohnehin das lange Sitzen im Boot.

Hid13-4 OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Nach der Pause kommt die Quittung für die rasante Fahrt zur Nordspitze. Der Südwind bläst uns jetzt mit einer guten vier bis fünf ins Gesicht. In Böen erreicht er bis zu 6 bft und so ist die Rückfahrt keine Freude. Jetzt kommt es darauf an, sich mental schnell umzustellen. Eben noch habe ich das Tempo auf die Gesamtstrecke hochgerechnet und so bei einer Zeit um die achteinhalb Stunden gelandet. Das ist natürlich reine Fantasie, aber der Gedanke steckt im Hinterkopf fest. Jetzt muss ich mit elf Stunden rechnen und das entmutigt. Ich brauche jetzt realistische Zwischenziele, um mich psychisch auf die nächsten Stunden auf dem Bodden einzustellen. In einer Stunde sind 40 Kilometer erreicht, in knapp zweieinhalb Stunden werde ich die 48 Kilometermarke geknackt haben. Die ist wichtig, weil dann zwei Drittel der Strecke geschafft sind. So geht es Stunde um Stunde Richtung Stralsund. Die Sicht ist schlecht, die Skyline nur undeutlich auszumachen.

Das letzte Meldeboot bei Suhrendorf erreiche ich um 14:09 Uhr. Die Zeitvorgabe lag hier bei neun Stunden. Ich liege eine knappe Stunde darunter Hid13-7 sehr viel Luft habe ich diesmal nicht. Es geht zwar voran, aber nur im Schneckentempo. Auf mehr als 6 km/h im Schnitt komme ich nicht, zumal der Wind überhaupt nicht einzuschlafen will. Erst fünf Kilometer vor dem Ziel in Höhe der Einfahrt in den Strelasund wird es besser. Dafür setzt jetzt Nieselregen ein. Endlich bin ich nach 10 Stunden und 35 Minuten am Ziel. Vor einem Jahr war ich rund eine Stunde und vierzig Minuten schneller. Aber das macht gar nichts sagt das Murmeltier.

Nachtrag: Dieses Jahr konnte ich Mario überzeugen auch teilzunehmen. Er hat auf seinem Blog gleichfalls einen Bericht über den 12. Hiddenseemarathon 2013 veröffentlicht. Und auch Achmed vom Stralsunder KC berichtet über das Rennen.

Ein Gedanke zu „12. Hiddenseemarathon 2013

  1. Pingback: „Vier gewinnt“ beim Hiddensee-Marathon 2013 | Grönlandpaddel(n)

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